15.000 Betten überflüssig?

Reha-Kliniken erneuern Hilfsangebot an das Hessische Ministerium für Soziales und Integration

Frankfurt, 27. März. Heute hat der Bundesrat das COVID 19 Krankenhausentlastungsgesetz verabschiedet und damit die wirtschaftliche Sicherung der Reha-Kliniken vorerst geklärt. Mit dem Gesetz erhalten auch die Länder die Möglichkeit, die Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen für die akutstationäre Krankenhausversorgung in Anspruch zu nehmen. Ziel ist es, zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten zu schaffen, um Krankenhäuser bei steigender Patientenzahl zu entlasten. „Wir stehen bereit, zu helfen und möchten nun endlich Klarheit haben, ob wir gebraucht werden oder bei sinkender Belegung entsprechend den Vorgaben der Politik Kurzarbeit anmelden sollen. Wissen muss man allerdings, dass eine Klinik, die in Kurzarbeit geht, Zeit braucht, um den Betrieb wieder hochzufahren. Wir brauchen daher jetzt eine Rückmeldung von Staatsminister Klose, ob die Reha-Kliniken in Hessen ins COVID 19-Management miteinbezogen sind oder nicht, damit wir die Handlungsfähigkeit der Reha sicherstellen “, so Georg Freund, Geschäftsführer der Reha-Kliniken Küppelsmühle in Bad Orb und Frankfurt am Main sowie Mitglied des Vorstands des Bundesverbands Deutscher Privatkli­niken e.V.

„Wir erachten es für wichtig, dass ein koordinierter Austausch auf Landesebene mit allen Beteiligten stattfindet, die stationäre Kapazitäten oder medizinisch-pflegerisches Know-how beisteuern können. Insofern gehören auch wir in den Planungsstab auf Landesebene. Ebenso übrigens wie ein Vertreter der Pflege. Es ist mir völlig unverständlich, wie Minister Klose die größte Berufsgruppe im Krankenhaus einfach so übergehen konnte“, so Freund.

In anderen Bundesländern gibt es bereits klare Regelungen, wie Reha-Kliniken in das Krisenmanagement miteinbezogen werden. Diese Woche war beispielsweise Bayern mit einer Allgemeinverfügung vorweggegangen. „Bayern hat es bereits erkannt, dass bevor über die Schaffung von Behelfskrankenhäusern in Turn- oder Messehallen gesprochen wird, die enge Einbindung der Reha-Kapazitäten oberstes Gebot hat. Solch ein Signal vermissen wir in Hessen. Unsere Mitglieder und ihre Belegschaften brauchen Klarheit, ob sie Platz für Akutpatienten schaffen sollen oder ob ihre Mithilfe nicht gewünscht ist. Wenn die Reha-Kliniken für die Versorgung entbehrlich sind, heißt das, dass ein Großteil der Kliniken ihre Belegschaften im April in Kurzarbeit schicken muss, weil aufgrund der Fünften Verordnung in Hessen und der damit verbundenen Absage von elektiven Eingriffen in den Krankenhäusern drastische Belegungsrückgänge in den Reha-Kliniken zu verzeichnen sind. Die Reha-Kliniken wollen helfen und nicht zu Kurzarbeit greifen müssen,“ betont Freund abschließend.

Über die Reha-Kliniken

Hessenweit gibt es rund 90 Reha- und Vorsorgeeinrichtungen, die über 15.000 Reha-Betten verfügen und im Jahr 170.000 Patienten versorgen. Reha-Kliniken sind vor al­lem in Nord- und Osthessen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Sie schaffen meist Ab­seits der Zentren Arbeitsplätze. Eine Rehabilitation absolvieren Patienten nach einem operativen Eingriff (z.B. Hüfte, Knie, onkologische OP, Transplantation etc.) oder einem akuten Ereignis wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Ziel der Reha ist, Ar­beitsfähigkeit zu erhalten und Pflegebedürftigkeit zu vermeiden. Die Rehabilitation hat dadurch einen großen volkswirtschaftlichen Nutzen.

Deutschlandweit gibt es rund 1.200 Reha- und Vorsorgeeinrichtungen, in denen 164.266 Betten stehen und 122.000 Menschen im ärztlichen und nichtärztlichen Dienst arbeiten.

 

Hessische Reha Kliniken befürchten Insolvenz

Kurzarbeitsanträge schon in der Schublade/ Finanzieller Schutzschirm fehlt

Frankfurt, 22.03.2020. Die Reha-Kliniken in Hessen bangen um ihre Existenz. Zwar sieht das COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz vor, dass Reha-Kliniken in die Behandlung von akutstationären COVID -Patienten eingebunden werden können allerdings liegt die Entscheidung darüber bei den Ländern. „Diese „Kann-Vorschrift“ im Gesetz ist in keinster Weise ausreichend. Während Pflegehei­men unbürokratische und pragmatische Hilfen zugesagt werden, schauen wir in die Röhre, obgleich wir es derzeit sind, die den Krankenhäusern helfen, Akutbetten frei zu räumen. Viele Pflegeheime weigern sich, den Akutkrankenhäuser Patienten ab­zunehmen, sofern diese nicht einen negativen COVID Test nachweisen. Und nun wird dieses Verhalten auch noch vom Gesetzgeber belohnt. Das ist mir vollkommen unverständlich. Wir brauchen ebenso wie Pflegeheime und Krankenhäuser einen finanziellen Schutzschirm sonst droht vielen Häusern im April die Insolvenz“, so Georg Freund, Geschäftsführer der Reha-Kliniken Küppelsmühle in Bad Orb und Frankfurt am Main sowie Mitglied des Vorstands des Bundesverbands Deutscher Privatkli­niken e.V.

Bislang sind die Reha-Kliniken im Land nicht auf dem Radar des Hessischen Ministe­rium für Soziales und Integration (HMSI). Das zeigt auch das gestern veröffentlichte Schreiben von Sozialminister Klose zum Aufbau des Planungsstab „Stationäre Versor­gungsstruktur“. Der Planungsstab soll aufbauend auf den vorhandenen Versorgungs­strukturen, die stationäre Versorgung in den sechs Versorgungsgebieten Hessens or­ganisieren. „In dem Schreiben von Minister Klose wird ausschließlich über Plankran­kenhäuser gesprochen. Der Minister scheint den Entwurf des Bundesgesetzes und die darin enthaltenden Regelungen zu den Reha- und Vorsorgeeinrichtungen nicht zur Kenntnis genommen haben oder er ignoriert sie schlichtweg. Wir sind gerne bereit mit Infrastruktur und dem Know-how unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu helfen. Es liegt jetzt in der Hand des Ministers uns einzubeziehen oder in Kauf zu neh­men, dass wir Kurzarbeit für unsere Pflegekräfte, Ärzte, Therapeuten und Verwal­tungsmitarbeiter anmelden müssen“, bekräftigt Freund. Denn bereits jetzt sei die Be­legung drastisch eingebrochen.

Seit der Veröffentlichung der Fünften Verordnung zur Bekämpfung des Corona-Virus vom 16. März 2020 in Hessen sind die Akutkrankenhäuser angehalten alle planbaren Aufnahmen, Eingriffe und Operationen abzusagen. „Dadurch ist in den Reha-Kliniken die Belegung drastisch eingebrochen. Es droht die Insolvenz und damit das Ende des stationären Nachsorgeangebots in Hessen. Das kann doch keiner wollen. Daher brau­chen auch wir einen Schutzschirm, der den Namen auch verdient“, so der Geschäfts­führer der Reha-Kliniken Küppelsmühle abschließend.

 

Über die Reha-Kliniken

Hessenweit gibt es rund 90 Reha- und Vorsorgeeinrichtungen, die über 15.000 Reha-Betten verfügen und im Jahr 170.000 Patienten versorgen. Reha-Kliniken sind vor al­lem in Nord- und Osthessen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Sie schaffen meist Ab­seits der Zentren Arbeitsplätze. Eine Rehabilitation absolvieren Patienten meist nach einem operativen Eingriff (z.B. Hüfte, Knie, onkologische OP, Transplantation etc.) oder einem akuten Ereignis wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Ziel der Reha ist Ar­beitsfähigkeit zu erhalten und Pflegebedürftigkeit zu vermeiden. Die Rehabilitation hat dadurch einen großen volkswirtschaftlichen Nutzen.

Deutschlandweit gibt es rund 1.200 Reha- und Vorsorgeeinrichtungen, in denen 164.266 Betten stehen und 122.000 Menschen im ärztlichen und nichtärztlichen Dienst arbeiten.