Im August 2020 haben die Landesverbände der Privatkliniken in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland eine Umfrage zur wirtschaftlichen Situation der Reha-Kliniken durchgeführt. An dieser beteiligten sich 54 Einrichtungen. Diese verfügen insgesamt über 11.924 Reha-Betten und haben im Jahr 2019 170.177 Patienten stationär behandelt. In den 54 Kliniken arbeiten 10.513 Menschen.

Im Folgenden präsentieren wir Ihnen einige Ergebnisse:

Hauptbeleger und Patientenklientel

Die befragten Reha-Kliniken werden vorwiegend von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) und den Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) belegt. Der Anteil der Patienten mit einer privaten Krankenversicherung liegt in den Einrichtungen im Schnitt bei 10%.

Hauptbeleger in den Einrichtungen ist in fast jeder zweiten Einrichtung die DRV. Der Rest entfällt quasi vollständig auf die GKV. Lediglich eine Einrichtung gab an, hauptsächlich von Privatpatienten belegt zu werden.

Die Mehrheit der Patienten (58%) kommt im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung in die Kliniken. Das heißt: Im Vorfeld hat eine akutmedizinsiche Versorgung im Krankenhaus stattgefunden.

Belegungssituation II. Quartal 2020

Im II. Quartal kam es zu einem deutlichen Belegungseinbruch in den Reha-Kliniken. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass quasi bundesweit Krankenhäuser und Reha-Kliniken angewiesen waren, sämtliche planbaren Aufnahmen auszusetzen. Dies hat in der Folge zu einem drastischen Belegungsrückgang in den Reha-Kliniken geführt.

Im April 2020 lag die Auslastung der Reha-Kliniken über alle Indikationen gesehen im Schnitt nur noch bei 43 %. Klammert man die Reha-Kliniken mit neurologischen Fachabteilungen aus, lag die Belegung sogar lediglich bei 35%. In der neurologischen Reha werden vorwiegend Schlaganfallpatienten behandelt. Insofern waren bei diesem Fachgebiet die Auswirkungen des Aufnahmestopps nicht so deutlich zu spüren wie beispielsweise in den orthopädischen Fachabteilungen, die vorwiegend Patienten versorgen, die im Anschluss an einen planbaren Eingriff im Akutkrankenhaus (z.B. Einsetzen einer Endoprothese) eine Rehabilitation absolvieren.

Im Mai 2020 lag die Belegung über alle Indikationen gesehen bei 46%. Ohne Hinzurechnung der Neurologie nur bei 37%. Im Juni 2020 erhöhte sich die Belegung auf 65% bzw. 59% (ohne Berücksichtigung der Neurologie). Dies ist auf die allmählichen Lockerungen der Allgemeinverfügungen zurückzuführen.

Im Verlauf des Sommers hat die Belegung weiter angezogen, jedoch liegt sie immer noch weit hinter den Vorjahreswerten zurück. Ursache hierfür sind die Corona-bedingten Hygieneanforderungen, die einer höheren Belegung entgegenstehen. Hinzu kommt die Zurückhaltung der Patienten, derzeit medizinische Eingriffe oder Rehabilitationsmaßnahmen durchführen zu lassen. Die befragten Reha-Kliniken rechnen daher erst in 2021 mit einer Normalisierung der Belegungssituation.

Wie niedrig die Belegung im II. Quartal 2020 tatsächlich war, verdeutlicht der Vorjahresvergleich:

Belegung II. Quartal 2020 und 2019. In Klammern die durchschnittliche Belegung ohne Hinzurechnung der Kliniken mit neurologischer Fachabteilung

  2020 2019 Δ
April 43% (35%) 94% (92%) -51% (-57%)
Mai 46% (37%) 95% (94%) -49% (-57%)
Juni 65% (59%) 93% (93%) -28% (-34%)

Kurzarbeit in den Reha-Kliniken

81,5 % (44) der befragten Kliniken waren von April bis August 2020 durchgängig geöffnet, 18,5% (10) nicht. Aufgrund des Belegungseinbruchs meldeten 68,5% (37) der Einrichtungen vorsorglich Kurzarbeit an.

Unter den Einrichtungen, die auf Kurzarbeit verzichteten, befinden sich überwiegend Kliniken mit neurologischer Fachabteilung.

In den Einrichtungen, die Kurzarbeit angemeldet hatten, arbeiten 6.882 Menschen. Hiervon waren im II. Quartal 2020 tatsächlich nur ein Teil in Kurzarbeit wie die nachstehenden Zahlen belegen. In Klammern ist die Kurzarbeiterquote angegeben, wenn man auch die Kliniken berücksichtigt, die auf eine Anmeldung von Kurzarbeit verzichteten (Grundgesamtheit 10.513 Mitarbeiter).

Realisierte Kurzarbeit:

  • April 2020: 39% (25%)
  • Mai 2020: 49% (32%)
  • Juni 2020: 29% (19%)

Beschaffung und Mehrkosten Schutzausrüstung sowie COVID-19 Test

87% (47) der Häuser gaben an, Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Schutzausrüstung gehabt zu haben. 36 Kliniken machten Angaben zu den Mehrkosten, die für die Beschaffung von Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln im II. Quartal 2020 angefallen sind. Demnach lagen diese im Mittel bei rund 32.000 Euro je Klinik. Hinzu kamen Ausgaben für COVID-19 Tests, die nicht über Dritte (Krankenkassen, Infektionsschutzgesetz, etc.) abgerechnet werden konnten. Hier machten 35 Einrichtungen Angaben zu den Kosten. Diese können auf knapp 14.700 Euro je Klinik beziffert werden.

Ausgleichszahlungen GKV/ SodEG

Auf Bundesebene wurden mit dem COVID-19 Krankenhausentlastungsgesetz und dem Sozialdienstleister-Einsatzgesetz (SodEG) Regelungen geschaffen, um die Einnahmeausfälle der Reha-Kliniken durch den Belegungsrückgang mit GKV- und DRV-Patienten teilweise zu kompensieren. Für Einnahmeausfälle im GKV-Bereich sieht das COVID-19 Krankenhausentlastungsgesetz für leerstehende Betten im Zeitraum vom 16. März bis 30.09.2020 Ausgleichszahlungen in Höhe von 60% des durchschnittlichen Vergütungssatzes vor. Für den DRV-Bereich sieht das SodEG in der Zeit vom 01.04.2020 bis 30.09.2020 einen monatlichen Zuschuss von bis zu 75% des durchschnittlichen monatlichen Vorjahresumsatzes für die Einrichtungen vor. Beim SodEG muss Kurzarbeitergeld allerdings in Abzug gebracht werden.

Unter den Teilnehmern der Umfrage gab es sowohl Kliniken, die Ausgleichszahlungen aus den zwei Schutzschirmen bezogen haben als auch Einrichtungen, die lediglich unter einen Schutzschirm fielen. Eine deutliche Mehrheit (63%) konnte Ausgleichszahlungen für den GKV und DRV-Bereich beantragen. Ein knappes Drittel der Kliniken konnte aufgrund der Patientenstruktur nur Ausgleichszahlungen für den GKV-Bereich geltend machen. Einige wenige Häuser erhielten nur Ausgleichszahlungen nach dem SodEG (7%).

Die Ausgleichszahlungen nach dem SodEG und dem Covid-19 Krankenhausentlastungsgesetz haben den Reha-Kliniken geholfen, Einnahmeausfälle zu kompensieren. Nach wie vor bleibt jedoch ein nicht unerhebliches Delta im Vergleich zum Vorjahr wie die Zahlen zeigen. Von den 54 Reha-Kliniken, die sich an der Umfrage beteiligten, lieferten 28 Kliniken vollständige Daten zu den Umsatzzahlen II. Quartal 2019 und 2020.

Im Mittel hat eine Klinik im II. Quartal 2020 nach den vorliegenden Zahlen einen Umsatz in Höhe von 1,87 Mio. Euro  erzielt. Im Vorjahr waren es noch 3,07 Mio. Euro gewesen. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Umsatz im II. Quartal 2020 somit um 39% eingebrochen. Die Ausgleichszahlungen haben die Umsatzeinbußen zu rund 18% kompensieren können. Es bleibt ein Delta in Höhe von 21% im Vergleich zum Vorjahr. Die befragten Einrichtungen gehen davon aus, dass sie auf das gesamte Jahr betrachtet ihre Umsatzziele um gut 20% verfehlen werden.  Grund hierfür sind die deutlichen Belegungsrückgänge im Vergleich zum Vorjahr.

Nach Aussage der Kliniken werden die Einnahmeausfälle dazu führen, dass notwendige Investitionen erstmal zurückgestellt werden müssen. Einige Einrichtungen schließen zudem nicht aus, dass sie Gehaltserhöhungen aussetzen oder Arbeitsplätze abbauen.

Blick in die Zukunft

Sollten die Ausgleichszahlungsregelungen nicht verlängert werden, erachten es 92% aller Häuser für notwendig, dass die bestehenden Vergütungssätze kurzfristig deutlich angepasst werden. 43% halten es zudem nicht für ausgeschlossen, wieder Kurzarbeit einzuführen bzw. zu verlängern, sollten die Ausgleichszahlungen nicht über den 30.09.2020 hinaus gezahlt werden. 17% könnten sich auch vorstellen, ihre Reha-Klinik in der Konsequenz temporär zu schließen.