Rehabilitation & Pflege

Rehabilitation

Medizinische Rehabilitation hat einen großen volkswirtschaftlichen Nutzen. Hilft sie doch, Arbeitskraft zu erhalten und Pflegebedürftigkeit zu vermeiden.

In Deutschland gibt es 1.142 Rehabilitations- und Vorsorgeeinrichtungen. In diesen wurden 2017 knapp zwei Millionen stationäre Patienten versorgt. Knapp 54% der Rehaeinrichtungen sind in Deutschland in privater Trägerschaft.

Die Reha-Klinikdichte ist vor allem in Bayern (260 Einrichtungen) und Baden-Württemberg (193 Einrichtungen) besonders hoch. In Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland gibt es insgesamt 163 Einrichtungen.

Reha-Leistungen sind Pflichtleistungen der Gesetzlichen Kranken-, Renten- und Unfallversicherung. Das heißt Versicherte haben einen gesetzlichen Anspruch auf eine Rehamaßnahme, wenn u.a. der Rehabilitationsbedarf und die Rehabilitationsfähigkeit gegeben ist.

Der Weg in die Reha

Für die Verordnung einer Rehabilitationsmaßnahme reicht eine ärztliche Verordnung nicht aus. Die Sozialleistungsträger haben einen sogenannten Genehmigungsvorbehalt.

Im Sozialgesetzbuch IX sind die gesetzlichen Grundlagen der Rehabilitation verankert. Je nach Lebensphase und Ausgangssituation kommen unterschiedliche Sozialleistungsträger für die Kosten der Rehabilitation auf.

Reha vor Rente

Die Deutsche Rentenversicherung übernimmt beispielsweise die Kosten, wenn es um den Erhalt der Arbeitsfähigkeit geht. Dabei hat die Deutsche Rentenversicherung ein großes Eigeninteresse am Erhalt der Arbeitsfähigkeit des Versicherten. Schließlich fallen dann keine Erwerbsminderungsrentenzahlungen an.

Bei Arbeitsunfällen kommt die Gesetzliche Unfallversicherung für die medizinische und berufsfördernde Rehabilitationsleistung auf.

Reha vor Pflege

Der Gesetzliche Krankenkassen verfolgen hauptsächlich das Ziel mit einer Reha-Maßnahme Pflegebedürftigkeit zu verhindern. Nach § 11 Abs. 2 SGB V haben Versicherte Anspruch auf Leistungen zur medizinischen Rehabilitation, um eine Behinderung oder Pflegebedürftigkeit abzuwenden, zu beseitigen, zu mindern, auszugleichen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder ihre Folgen zu mildern. Die Krankenkassen dürfen diese Leistungen nur in Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen erbringen lassen, mit denen ein Versorgungsvertrag nach § 111 SGB V besteht.

Versorgungsverträge werden zwischen den Vertragspartnern auf Hausebene verhandelt. Können sich Rehaeinrichtungen und Krankenkassen nicht einigen, besteht die Möglichkeit, die Landesschiedsstellen anzurufen.

Mit dem Abschluss eines Versorgungsvertrages erhalten Rehakliniken keine Belegungsgarantie von Seiten der Krankenkassen. Sie haben somit keinen Einfluss auf die Patientensteuerung.

Im Gegensatz zur Rentenversicherung fehlt den Gesetzlichen Krankenkassen ein Anreiz, Heilverfahren zu genehmigen, da für die Kosten bei Pflegebedürftigkeit die Pflegekassen aufkommen. Dies ist vielleicht ein Grund, weshalb viele Reha-Anträge, die sich nicht unmittelbar an einen Krankenhausaufenthalt anschließen, oft im Widerspruchsverfahren enden.

Wunsch & Wahlrecht

Patienten können über die Wahl der Rehabilitationseinrichtung mitentscheiden. Ein entsprechendes Wunsch & Wahlrecht ist gesetzlich verankert.

Monistische Vergütung

Anders als im Krankenhauswesen müssen Rehakliniken mit den vereinbarten Tagessätzen oder Fallpauschalen auch notwendige Investitionen in die bauliche oder medizinische Infrastruktur tätigen. Dies stellt viele Einrichtungen vor große Herausforderungen, da die Erhöhung der Vergütungssätze im Bereich der GKV an die Grundlohnsumme gekoppelt ist.

Schattendasein

Trotz ihrer großen volkswirtschaftlichen Bedeutung haben es Rehabilitations- und Vorsorgeeinrichtungen oft schwer, sich auf der politischen Bühne Gehör zu verschaffen, obgleich sie vor allem in den ländlichen Räumen wichtige Wirtschaftszweige sind.

Zuletzt hat sich dies beispielsweise beim Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG) gezeigt. Während in Krankenhäusern ab 2019 zusätzliche Stellen und Tarifsteigerungen für Pflegekräfte von den Krankenkassen voll refinanziert werden, gehen die Reha-Kliniken leer aus. Ähnlich verhält es sich bei der Neuordnung der Pflegeausbildung. Die Reha-Kliniken sind weiterhin nicht als Ausbildungsstätten vorgesehen.

Es bleibt also noch viel zu tun. Am schlagkräftigsten sind Rehabilitations- und Versorgungseinrichtungen dabei wenn sie gemeinsam für ihre Interessen einstehen.

Zu den Adressen der Landesschiedsstellen nach § 111 b SGB  V geht es hier.